Samstag, 6. Februar 2016

Dazwischen

Die Momente dazwischen,
die sind echt.


Der traurige Gedanke im glücklichen Gesicht - nur einen Augenblick lang.
Das sekundenkurze Schmunzeln im ernsten Ausdruck.
Erst mal tief Luft holen, Augen öffnen, Lächeln.
Das soll keiner sehen.
Genau den einen Blick, der alles sagt der, den eigentlich keiner bemerkt hat.




























Ständig denken die Leute sie müssen stark sein, müssen tun, denken, machen, sein, was erwartet wird. Dann bauen sie Mauern, Mauern um sich selbst, mauern sich ein um den letzten Rest Wirklichkeit zu bewahren. Die Fassade zeigt, was gezeigt werden soll, was man sehen darf, was man sehen soll.
Doch manchmal, manchmal gibt es Risse in der Fassade.

Dazwischen.

Da gibt es genau diese Momente.
Oft nur einen Augenblick lang, ganz kurz zeigt sich eine Idee von der Wirklichkeit ein Hauch dessen, was tatsächlich ist.
Und manchmal ...ja manchmal schafft es jemand hineinzuspähen.

Oft erschreckt das die Menschen. Haben sie Angst um ihre Mauer, oder um das, was dahinter ist?
Der Riss muss wieder geschlossen werden. Niemand darf ins Innere. Die Fassade muss gewahrt werden.
Denn wenn der Spion neugierig ist wird er hineingelangen wollen, er wird es sehen wollen. Warum? - Gefällt ihm die Fassade nicht?

Was, wenn er Erfolg hat? Er schafft es, bricht denn Riss in der Mauer auf.
Der Spion staunt, was er findet - eine Persönlichkeit.
Und sie ist schön, schöner als die Fassade. Weil sie echt ist, weil sie Makel hat, weil sie hier ein bisschen zu viel und dort ein bisschen zu wenig hat. Aber sie ist einzigartig.

Wenn die Mauer fällt, gibt es die Momente dazwischen nicht mehr. Dann sind die Menschen immer "dazwischen", immer echt.
Immer sie selbst, immer schön.
Wäre schön oder?